Ob übergroßer Ohrwurm, intimer In-die-Seele-Kriecher, in Nebel umherlaufender Geister-Song, wuchtiger Tanzflur-Magnet oder all das, was sich dazwischen bewegt, weil Labels, Schubladen und Zuschreibungen immer mehr zu hübschen Fragezeichen werden. Die 100 besten Songs 2025 haben sich an allem bedient, was ich aktuell in Musik suche. Und der beste von ihnen ist einer der schönsten Songs, den ich je gehört habe.
Als ich „Hold Me In A New Way“ von Elaine Howley zum ersten Mal gehört habe, wusste ich, dass er bleiben wird. Ja, auch das ist dieser abseitige Nicht-Pop mit verhuschter Stimme mit kleiner, aber eindringlicher Melodie, der hier oft vorkommt. Aber dieser Song bohrte sich instant in den hauseigenen Kanon. Nicht einmal eine Handvoll Sätze braucht sie, um eine Geschichte zu erzählen, in der es um Liebe, Freundschaft, Sehnsucht und Co. geht. Diese winzige, zugleich große Message wird lediglich von einem kleinen, pochenden Beat, einem präsenten Bass und einem Keyboard begleitet. Zwischendurch strömen Vocalsamples dazu, das Lachen von draußen. Alles hier klingt nach „nebenan“, wird dadurch noch intimer und eindrücklicher. Das ist Musik, die wenig Lust darauf hat, sich in den Vordergrund zu drängen und mit so wenig so viel erzählt und auslöst. „Hold Me In A New Way“ von Elaine Howley ist einer der besten Songs, den wir haben. Mindestens der beste des Jahres. „I’ve been feeling far away“. Same.
Dass auf „Blurrr“ von Joanne Robertson viel im Schatten passiert, ist eh klar. Perfekt wird das auf „Gown“ demonstriert, den sie mit Cellist Oliver Coates aufgenommen hat. Ihre Stimme, die aus dem Nebel heraus ihre Aussagen in Hall kleidet, kümmert sich zusammen mit der knarzenden Gitarre um eine gänsehautige Anspannung. Bis, ja bis, der „Chorus“ – dafür braucht es eigentlich noch mehr Anführungszeichen – kurz alles erbeben lässt. What a song.
Molly Nilsson hat mittlerweile über 130 Songs veröffentlicht und hat trotzdem bis 2025 gewartet, um „Die Cry Lie“ loszulassen. Repetition done perfect. Ein durchrennender Beat, der zwischendurch noch einmal Anlauf nimmt, zwei sich überbietende Melodien und kleine Features wie die Gniedelgitarre, die in Part zwei die Backgroundbespaßung übernimmt.
„Coach“ von Sex Week gönnt sich und uns einen astreinen Indie-Pop-Ohrwurm, „Born and Die“ ist der smoothe Minimal- und Cold-Wave-Plucker-Hit der Saison, das cheesy Keyboard und der druckvolle Billo-Beat (ich mein das alles herzig und positiv) sind zusammen mit dem too-cool-for-school-Vortrag auf „Feisty“ der Grund für diesen Monster-Hit von Smerz, während Rat Heart mit seinem verschleiften, klumpigen Keller-Hit „OPERATION ALWAYS BE A BRAVE LITTLE CUNT“ für den unwirklichsten Parallelwelt-Groove sorgt.
Kaminiger Dream-Pop-Twang von The Reds, Pinks & Purples, Piano-Bass von Bambounou, Wave-Pop von Laura Groves, groovende Club-Roller von Batu, Nebel-Wave von HTRK oder das, was man hier als ungelenke Genrebezeichnung anführen würde, wenn ich probieren müsste, die Musik von Peki Momes zu beschreiben.
Hier eine Liste, die sich aus vielen Singles, EPs, 12“s, Alben und Compilations zusammensetzt. Songs, die niemals auf die Idee kommen würden, den Rest als Nachbar*innen zu bezeichnen, hier aber eine Playlist-WG bilden, uns eine Party schmeißen, auf der wir tanzen, sitzen, liegen, durchdrehen, gänsehauten, uns verstecken, nicht klarkommen und seufzen.
Das hier sind die besten 100 Songs des Jahres.
01_ Elaine Howley – Hold Me In A New Way
02_ Molly Nilsson – Die Cry Lie
03_ Joanne Robertson – Gown
04_ Rat Heart – OPERATION ALWAYS BE A BRAVE LITTLE CUNT
05_ Sex Week – Coach
06_ AFAR – Born and Die
07_ Lukid – Underhand Brokery
08_ The Reds, Pinks and Purples – Upside Down in an Empty Room (Slow Version)
09_ Smerz – Feisty
10_ Bambounou – Soul Trippin
11_ Library L’Amour – Deux Mains
12_ james K – Peel
13_ JJULIUS & Julia Bjernelind – Etiopisk hallucination
14_ Laura Groves – Yes
15_ MOBBS & Susu Laroche – DAWN
16_ Steven Julien – TIME
17_ Raisa K – Final Generations
18_ Molly Nilsson – Il Peggior Bar Di Caracas
19_ OHYUNG – you are always on my mind
20_ Betty Hammerschlag – Fake Girl
21_ lynyn – Nobody Knows Me
22_ Just Mustard – WE WERE JUST HERE
23_ Beatrice M. – Poison
24_ Automatic – Is It Now?
25_ INIT – Vacumized
26_ Man/Woman/Chainsaw – MadDog
27_ Batu – Seize
28_ Σtella – Ta Vimata
29_ Polygonia – Whirlwind Of Hearts
30_ HTRK – Swimming Pool
31_ Alles Exhausted – Zu Asche und zu Staub
32_ Burial – Comafields
33_ Dog Race – The Leader
34_ Nightbus – Angles Mortz
35_ Princess Nokia – Blue Velvet
36_ Lucrecia Dalt – caes
37_ Peki Momés – Masmavi
38_ eat-girls – Off The
39_ Any – Mega Mercy
40_ Housepainters – I Wanna Sleep In Your Arms
41_ Mhaol – Pursuit
42_ Joy Orbison & Joe James – bastard
43_ Black Country, New Road – For the Cold Country
44_ efdemin – Signal to Noise
45_ Erika de Casier – Miss
46_ Onyon – Schiefe Bahn
47_ Nele De Gussem – The Pool
48_ Heartworms – Celebrate
49_ Gaiko – Setagaya
50_ Saeko Killy – Next Time
51_ Juana Molina – desinhumano
52_ YHWH Nailgun – Castrato Raw (Fullback)
53_ Maria Teriaeva – What Is To Be Done?
54_ Domina – Oh
55_ Sophia Stel – All My Friends Are Models
56_ Cara Carpaccio – Im Weltraum (576000003579 Jahre)
57_ Introspekt – Dilation
58_ Josi Devil – Make It Better
59_ TOPS – ICU2
60_ Building Instrument – Saunte
61_ Whatever The Weather – 3°C
62_ Cousines like Shit – NO
63_ Moin – See
64_ Marina Zispin – The Tudors
65_ Barker – Difference And Repetition
66_ Famous – Revelation
67_ Jessy Lanza – Slapped By My Life
68_ The Orchestra (For Now) – Skins
69_ Maria Somerville – Spring
70_ Deradoorian – Any Other World
71_ DjRUM – Let Me
72_ Carrier- The Fan Dance (feat. Gavsborg)
73_ Kara-Lis Coverdale – Daze
74_ Genius Of Time – You Make Me
75_ Troth – Cocoonist
76_ Headache – I Appreciate You
77_ Ehua – Bumju
78_ Dean Blunt & Elias Rønnenfelt – tears on his rings and chains
79_ Acopia – Falter
80_ Lime Garden – Maybe Not Tonight
81_ Goodbye – Meat
82_ helen island – hot zone, regular day
83_ Slow Fiction – When
84_ Mystic Jungle – Shine For Your Desire
85_ NZO – CFML
86_ Sequence of Events – Nature Hates Life
87_ rest symbol – Skin
88_ Miljon – This Place
89_ Shopping – White Noise
90_ Art Longo – Quantum Ceviche
91_ Bruce – Golden Water Queen
92_ Burglar – No Easy Way Out
93_ Hilary Woods – Endgames
94_ Sub Basics – Corners
95_ Ourman – Gnawa
96_ Cousin – Softening
97_ Bug Teeth – Thin Circle
98_ Scott Evil – Cop Cab
99_ Blawan – Style Teef
100_ PALES – 1518